An adult swimmer practicing freestyle in an outdoor Olympic-size pool.

Schnelle Bahn

Sprudelndes Wasser, Luftperlen, die ich am ganzen Körper fühle. Unfassbar schönes Licht, die Sonne scheint durch die Glasfenster und zerbricht in tausend Prismen. Ich staune – und atme nach Luft. 

Luft, Wasser, Wasser, Luft. 

Hektische Armzüge. 

Schnell sein, Krampf im Bein. 

Ich sehe Körper durchs Wasser schweben. Eine Frau mit Flossen schwimmt direkt neben mir, eine Bahn weiter links. Sie ist deutlich schneller als ich; ich bewundere im Stillen ihre Technik.

Vor mir plötzlich Füße, huch! Ich starte einen Überholvorgang, damit ich nicht mit ihnen zusammenstoße. 

Die Bahn ist eng, mir kommt jemand entgegen. 

Atmen, kraulen, kraulen, Atmen. 

Die anderen Schwimmer schlagen mir beinahe ins Gesicht, einer links, einer rechts. 

Ich paddle weiter, irgendwann bin ich wieder in der Bahn — keine Ahnung, wie weit der andere hinter mir liegt. Ob er versucht, mich einzuholen? 

Am Ende der Bahn mache ich eine Rolle und stoße mich mit den Beinen vom Beckenrand ab, schwimme nun mit Blick nach oben, die Wellen brechen das Licht. 

Ich sehe, dass der andere weit zurückliegt. Habe ihn abgehängt.

Wenn ich Konkurrenz spüre, kriege ich Muskelkrämpfe in den Beinen. Automatisch. Dann muss ich die Füße stillhalten, mich nur noch mit den Armen vorwärtsziehen. Als ob sich der Stress direkt in körperliche Anspannung übersetzen würde. 

Ellenbogen raus und zieh! 

Ich höre gurgelnde Geräusche, das Wasser erfrischend am ganzen Körper. Wieder das herrliche Licht –

Plötzlich etwas Buntes vor mir: ein Fisch? Unten am Becken liegt jemand in einer leuchtend bunten Badehose — ein junger Mann… Was macht er? Er verharrt am Boden und rührt sich nicht… sieht allerdings entspannt aus, als ob er nur pausiert… die Welt um sich beobachtend, lauschend, sich selbst in dieser Lage erkundend… Aber wie lange kann er so bleiben? Ob ich ihm helfen soll?

Schon bin ich vorbei und sehe wieder nichts außer Wellen, schlucke kurz Wasser, weiter geht es, bis ans Ende der Bahn, dann Rolle zurück. 

Mein Herzschlag hat sich nun beruhigt und angepasst. 

Ich lasse schnellere Schwimmer an mir vorbeiziehen.

Da sehe ich erneut den bunten Mann. Völlig zufrieden wirkt er dort unten und taucht munter wie ein Goldfisch. 

Später, beim Rausgehen, erkenne ich nicht eine einzige Person, aus dem Becken wieder. Vorhin waren wir noch Haut an Haut, fast nackte Körper, doch nun, angekleidet und mit geföhntem Haar, wirken alle anders. War das der Mann, der mich überholt hat? Das die Frau mit den Flossen? Wo ist mein Goldfisch geblieben? 

Ich kann es nicht sagen. Unter Wasser sehen alle wie verwandelt aus.