Autos rauschen vorbei. Wir sitzen nebeneinander im Gewerbegebiet am Straßenrand auf einer Betonmauer. Hier haben wir uns verabredet, in der Mitte zwischen deinem Zuhause und meinem, fast auf den Meter genau. Ein Nicht-Ort, der uns beiden überhaupt nichts bedeutet.
Wir müssen mal reden, hattest du am Telefon gesagt.
Neben mir krabbelt ein Käfer. Die Grillen zirpen. Unter unseren Füßen haben Ameisen eine lange Straße gebaut.
Es ist Sommer, die großen Ferien haben angefangen.
Ich spüre deinen Körper neben meinem. Doch heute ist alles anders, wir berühren uns nämlich nicht.
Alles an mir fühlt sich falsch an: die neue Hose steht mir nicht, das Oberteil ist zu eng, ich habe Sonnenbrand. Außerdem sehen die Haare echt blöd aus und meine Fingernägel sind zerkaut.
Wir haben Zigaretten angezündet, Lucky Strikes, sitzen schweigend und beobachten den Rauch, wie er sich verdünnisiert, über unseren Köpfen in Luft verwandelt, in Nichts.
So wie jetzt unsere Beziehung.
Ich wage es nicht, dich direkt anzusehen – nur aus den Augenwinkeln. Du streichst dir die Haare aus dem Gesicht und blickst nach vorne, die Zigarette in der Hand. Sagst kein Wort.
Wir hatten so viel vor. Wir wollten mit dem Moped nach Frankreich fahren, über die Landstraßen, und in einem Zelt übernachten. Wir wollten gemeinsam schwimmen gehen, in den Steinbrüchen hinter der Stadt. Lagerfeuer wollten wir entzünden und nächtelang wachbleiben. Musik hören bis in die Morgenstunden und ab und zu tanzen.
Doch gerade eben erst hast du mit deinem Mund, mit deinem schönen Mund, Worte formuliert, die alles, was wir zusammen unternehmen wollten, begraben. Die Möglichkeiten verunmöglichen.
Ich bin hier festgewachsen wie ein tonnenschwerer Stein. Meine Bewegungen sind verlangsamt, verkrustet, werden zu Beton. Mitten im Sommer friere ich ein.
Du sagtest, es sei vorbei.
Für dich.
Für mich zwar nicht, denke ich und lache bitter, aber für dich.
Toll.
Mir fällt dazu überhaupt nichts weiter ein. Kein einziger Gedanke, der klug genug wäre, dich umzustimmen.
Ich bestehe nur noch aus einem einzigen Gefühl. Es ist ein Ziehen in meiner Brust.
Eine Träne kullert aus meinem Auge und plumpst zu den Ameisen runter. Die Grillen zirpen weiter vor sich hin, als hätten sie den größten Spaß.
Dein Rücken, dein Nacken, dein Haar. Ich könnte meine Hand ausstrecken, dich streicheln. Meine Hand passt perfekt an deinen Nacken, das weißt du ganz genau.
Wir haben fertig geraucht. Auch die letzte Zigarette ist irgendwann vorbei.
Früher hast du sie immer für mich angezündet und mir dann weitergereicht. Es war wie ein Kuss, per Transfer, von dir zu mir.
Da musste ich jedes Mal lächeln.
Sollen wir Freunde bleiben?, traue ich mich nicht zu fragen.
Stattdessen schweige ich weiter.
Stur. Als ob ich damit alles, was du gesagt hast, in einer Welle des Schweigens begraben könnte.
Das hast du nun davon.
Du stehst auf und trittst die Kippe aus. Willst los.
Meine Arme halte ich schützend vor meinem Brustkorb verschlossen. Da sollst du jetzt nicht hinsehen.
Der Käfer spreizt die Flügel, als ob er fortfliegen möchte. Ein Windstoß kommt und nimmt ihn mit. Ungelenk fliegt er eine Kurve und erhebt sich in die Luft. Er brummt, dann ist er fort. Es herrscht Stille.
Ich versuche, erwachsen zu sein, stehe auf und lasse mich von dir umarmen. Zum ersten Mal nur so wie Freunde.
Dann gehst du.


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